Der Schmerz der Projektleiter

Wissen die Projektleiter tatsächlich nicht, welche Skills sie für ihre Digita­lisierungs-Projekte benötigen? Folgt man den Darstellungen der Freelancer-Vermittler in der computerwoche (Wo liegt der Schmerz der Projektleiter?) so ist das ein – wenn nicht sogar das - Problem. Die Aufgabe der Ver­mittler wäre es, dem Kunden zu helfen, Lösungen für die Digita­lisierung zu entwickeln und ihm zu zeigen, welche Skills dafür gebraucht werden.

Ist das Fakt?

Wohl kaum! Die Projekt­leiter sind in aller Regel Fach­leute auf ihrem Gebiet, die sehr wohl wissen, welche Skills zur Bewältigung der anstehenden Heraus­forderungen erforderlich sind.

Das Problem ist viel eher, diese Anfor­derungen den Vermittlern klar zu machen. Zugegebe­nermaßen ist das auch bei der Komplexität der Digitalisierungs­projekte nicht so einfach. Niemand kann von einem Ver­mittler erwarten, dass er alle hierfür relevanten Gebiete überblickt. Viel mehr als einen Abgleich der Anforderungs-Keywords mit den Profilen kann der Vermittler da meist nicht leisten. Und das wird mit der Digita­lisierung tatsächlich noch schwieriger, denn die Projekte sind hier meist bereichs­übergreifend. Es reicht nun nicht mehr die Schlag­worte aus dem IT-Bereich zu kennen. Begriffe aus den Ingenieurs­bereichen, aus dem Bereich der Geschäfts­modellentwicklung und aus dem Marketing kommen hinzu.

 

Neue Entwicklungen im Recruiting

Herr Girke von der Q_Perior glaubt, einen Trend in Richtung ‚Commoditiy‘ im Zuge der Digita­lisierung erkennen zu können, da interne Mitarbeiter für Digitalisierungs­projekte abgezogen würden. Diese Lücken könnten laut Girke dann mit Free­lancern geschlossen werden. Ob es Sinn macht, hoch bezahlte Spezia­listen für Routine-Aufgaben einzusetzen ist eine Frage. Dass man sich damit gefährlich weit in Richtung Schein­selbständigkeit begibt, müsste hingegen allen Beteiligten klar sein.

Viele Vermittler scheinen den Weg in Richtung Arbeitnehmer­überlassung als Reaktion auf das geänderte Arbeitnehmer­überlassungsgesetz allerdings auch gerne mitzugehen. Wenn darüber nachgedacht wird, „die Weiter­bildung der Freiberufler zu übernehmen“, so hat das mit Selb­ständigkeit und Freiberuf­lichkeit weniger zu tun als mit Arbeitnehmer­überlassung und damit auch Schein­selbständigkeit.

Herr Troché von der Westhouse Consulting sieht den Wunsch der Kunden nach mehr Be­ratung und Betreuung. Nun wissen wir nicht, woher Herr Troché diese In­formation nimmt, aus der Lündendonk-Studie jedoch vermutlich nicht, denn dieser zufolge ist ja vor allem Liefer­fähigkeit von Vermittlern gefragt. 

 

Die Vermittler als Zauberer

Natürlich ist es eine Heraus­forderung auf dem stellenweise leer­gefegten Markt geeignete Experten zu finden. Den Kunden müsste doch klar sein, dass sie nicht zaubern könnten, meint ein Ver­mittler in dem computerwochen-Artikel. Aber jedem, der schon einmal mit Freelancer-Vermittlern zu tun hatte, weiß das. Das Problem ist vielmehr, dass die Ver­mittler es manchmal trotzdem versuchen: Da wird ein Berater schnell einmal in einen Projekt­leiter verwandelt und jemand, der schon einmal ein paar Zeilen in Java geschrieben hat, ist gleich ein Experte. Der Projekt­leiter hat dann die undankbare Aufgabe, unter all den vermeint­lichen Spezialisten die echten zu erkennen.

Vielleicht ist das ja der Schmerz der Projekt­leiter: Da zahlt man viel Geld für Ver­mittler und macht am Ende die Arbeit dann doch allein.

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