Die GmbH als Alternative für Freelancer

Die freiberufliche Tätigkeit im Rahmen einer Einzel­unternehmung hat im Gegensatz zu anderen Rechts­formen drei grundsätzliche Vorteile: Vereinfachungen bei der Buchführung, Befreiung von der Gewerbe­steuer und geringerer bürokratischer Aufwand.

Dennoch entscheiden sich Freiberufler vermehrt für die Rechts­form der GmbH als Alternative. Oft wird diese Entscheidung getroffen, um das Risiko der Schein­selbständigkeit zu reduzieren. Eine GmbH bedeutet zwar einen gewissen Aufwand, jedoch bietet diese Rechts­form auch viele Vorteile. Diese sind Freiberuflern oft nicht bekannt. Im Folgenden versuchen wir etwas Licht ins Dunkel zu bringen und die steuerlichen Vor- und Nachteile einer GmbH, ihre Haftungs­aspekte und Auswirkungen auf die Rentenversicherungspflicht zu erklären.

Für Freelancer gibt es gute Gründe sich für die Rechts­form der GmbH zu entscheiden. Die Gründung einer Kapitalgesellschaft hilft in erster Linie, Risiken zu reduzieren – das von vielen Free­lancern am meisten gefürchtete Risiko ist die Scheinselbständigkeit. Laut dem neuen Rechtsentwurf des § 611a BGB ist eine Person Arbeit­nehmer und somit kein selbstständiger Unternehmer, sobald sie „auf Grund eines privat­rechtlichen Vertrags im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Ab­hängigkeit verpflichtet ist […]“. Wenn eine Person also bei einem Auftrag­geber wie ein Arbeitnehmer eingesetzt wird, gilt sie rechtlich als Arbeitnehmer und die Kriterien für eine „echte“ Selb­ständigkeit sind nicht erfüllt. Dies ist vor allem für den Arbeitgeber in besonderem Maße mit Risiken und vor allem Kosten verbunden, da er den gesamten Sozial­versicherungsbeitrag, der nicht entrichtet wurde, rückwirkend über die Beschäftigungs­zeit des Scheinselb­ständigen nachzahlen muss. Das Vorenthalten der Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung ist zusätzlich strafrechtlich verfolgbar gem. § 266 a Abs. 1 StGB. Auch der Free­lancer hat seine Last im Falle einer aufgedeckten Scheinselbstständigkeit zu tragen: Ihm droht das Risiko, dass die Vorsteuer­abzüge rückabgewickelt werden müssen, was zu erheblichen Nachzahlungen führen kann. 

Die Rentenversicherungspflicht birgt ein weiteres Risiko für Frei­berufler. Eine Faustregel besagt, dass Freiberufler, die auf Dauer nicht unter­nehmerisch auftreten und nur für einen Arbeitgeber tätig sind – beziehungsweise mindestens 80 Prozent der Einnahmen bei nur einem Auftrag­geber beziehen – als arbeitnehmerähnliche Selbstständige gelten. Somit sind sie rentenversicherungs­pflichtig und dann kann der Deutsche Rentenversicherungs-Bund rückwirkend für maximal vier Jahre Bei­träge einfordern.

Um diese Risiken zu mindern und von weiteren möglichen Vor­teilen zu profitieren, kann sich für Freelancer die Gründung einer GmbH lohnen. Zugegeben, sie schützt nicht absolut vor der Schein­selbstständigkeit: Eventuell kann die Umgehung der Sozialversicherungs­pflicht unterstellt werden. Der Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH ist aber definitiv vor der Renten­versicherungspflicht geschützt, solange er mehr als fünfzig Prozent der GmbH-Anteile hält.

Des Weiteren gibt es steuerliche Vorteile, da sich durch die Rechtsform der GmbH im Vergleich zum Status als Freiberufler Steuern sparen lassen. Freiberufler sind steuerlich gesehen „Einzelunternehmen“ und unterliegen der Einkommens­teuer mit dem Höchststeuersatz von bis zu 42%. Eine GmbH zahlt hingegen Körperschaftssteuer, die auf nicht aus­geschüttete und ausgeschüttete Gewinne des Unternehmens mit einem geringeren einheitlichen Steuer­satz von 15% erhoben wird. Hinzu kommt jedoch die Gewerbesteuer, der eine GmbH unabhängig von der Art der Tätig­keit immer unterliegt. Die Höhe der Gewerbe­steuer bemisst sich anhand des Hebesatzes, der in Abhängigkeit vom Unternehmens­sitz variiert. In der Regel entspricht die Höhe der Gewerbesteuer aber der der Körperschafts­steuer. Aber auch, wenn ein Freiberufler keine Gewerbesteuer zahlen muss, kann eine GmbH-Gründung vorteilhaft sein, wie folgendes Beispiel zeigt:  Ein Freiberufler erwirtschaftet einen Um­satz von 150.000 Euro. Als „Einzelunternehmer“ muss der Free­lancer bei angenommenen Betriebskosten in Höhe von 20.000 Euro rund 46.000 Euro an Einkommens­steuer bezahlen. Bei einer GmbH hingegen fielen in diesem Fall „nur“ Lohnsteuer, Körper­schaftssteuer und Gewerbesteuer von grob 36.000 Euro an. Das ergibt nach Abzug der Kosten für die Buch­führung (schätzungsweise rund 3.000 Euro) immer noch eine Steuerersparnis von fast 7.000 Euro. Weitere Vorteile ergeben sich daraus, dass die nicht aus­geschütteten Gewinne von der GmbH kosten­günstig angelegt werden können: Für Kapitalgesellschaften sind Kurs­gewinne von Wertpapieren weitgehend steuerfrei. 

Ein weiterer wesentlicher Vorteil einer GmbH ist die Haftungs­beschränkung. Da die Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft begrenzt ist, hat der Freelancer den Vorteil, dass Gläubiger alleine das Gesellschafts­vermögen der GmbH angreifen können und nicht das Privatvermögen.

Das Stammkapital einer GmbH beträgt mindestens 25.000 EUR und muss bei der Gründung mindestens zur Hälfte eingezahlt werden. Dies mag eine gewisse Hürde für einige Existenz­gründer darstellen, kann jedoch durch die Gründung einer Mini-GmbH umgangen werden. Diese GmbH-Form lässt sich theoretisch schon mit einem Euro gründen, es müssen jedoch Rücklagen angesammelt werden (25% des Jahres­gewinns) bis die 25.000 Euro Schwelle erreicht ist und das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt werden kann. Was jedoch bei der Umsetzung der Rechts­form der GmbH berücksichtigt werden muss, ist die Pflicht zur doppelten Buch­führung. Das bringt zusätzliche Kosten mit sich. Diese Buchführungs­kosten belaufen sich jedoch auf wenige Tausend Euro im Jahr, ein im Vergleich zu den möglichen Steuerein­sparungen vergleichsweise geringer Betrag. 

Die GmbH-Gründung kann für Frei­berufler also durchaus eine vorteilhafte Alternative sein. Im Einzel­fall sollte dies jedoch mit einem Steuerberater geprüft werden. Individuell gilt es abzuwägen, welche Vor- oder Nach­teile stärker ins Gewicht fallen und welche Konsequenzen auftreten können.