AÜG-Reform vs. Selbstständigkeit?

Gefährdet das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (ÄUG) die Selbstständigkeit?

Freiberufler und Unternehmen sind verunsichert: Über die Konsequenzen der geplanten Reform des AÜG für Freiberufler und Unternehmen, die sie einsetzen, wird momentan heiß diskutiert. Dabei stößt man auf viele Halbwahrheiten, die zur Verunsicherung beitragen. freelance pages klärt über die Fakten auf und erläutert, was die geplante Reform des AÜG wirklich für Unternehmen und Freelancer bedeutet.

Unternehmen können sich mit der Fallschirm­lösung definitiv nicht mehr schützen

Die sogenannte Fallschirm­lösung, also die Vorrats­erlaubnis zur Arbeitnehmer­überlassung, schützt Unter­nehmen nicht mehr vor den sozial­rechtlichen Folgen der Schein­selbständigkeit beim Einsatz von Frei­beruflern. Bisher verließen sich Unter­nehmen bei temporären und punktuellen Ein­sätzen von Freelancern auf die Schutz­wirkung, die Personal­dienstleister vermeintlich boten. Durch das Dazwischen­schalten von Vermit­tlern wurde das Risiko ne­gativer Konse­quenzen an die Personal­dienstleister ausgelagert. Nach der Re­form des AÜG schützt aller­dings auch ein ein­geschalteter Vermittler nicht mehr vor den Ri­siken der Schein­selbständigkeit.

Im Gegenteil: Wird ein ein­gesetzter Spezialist als Schein­selbständiger ein­gestuft, so begehen Unter­nehmen und Personal­dienstleister eine Ordnungswidrigkeit nach §16 AÜG („Unzulässige Arbeitnehmer­überlassung“). Geahndet werden diese Ver­stöße mit bis zu 30.000€ Strafe. Die Gefahr einer solchen Ordnungs­widrigkeit besteht nicht, wenn der Free­lancer direkt beauftragt wird.

Die harte Wahrheit: Rechtssicherheit gibt es nicht

Durch den Wegfall der Fallschirm­lösung als Schutzschild stehen Frei­berufler wie Unter­nehmen vor der Frage: Wie soll das Vertrags­verhältnis in Zukunft gestaltet werden? Gibt es womöglich Muster­verträge, die verwendet werden können?

Die Antwort: Bestimmte Aspekte müssen beachtet werden, Rechts­sicherheit aber kann es nicht geben, denn die Kriterien für Schein­selbständigkeit sind nicht klar festgelegt. Vertrag­liche Bestimmungen sind in Wahrheit sekundär. Was zählt, ist die tatsächliche Vertrags­abwicklung, die Arbeits­bedingungen in der Praxis. Bei einer Betriebs­prüfung werden diese am Einsatzort kontrol­liert. Hierbei wird auf die zwei wichtig­sten Aspekte geachtet:

  • Besteht Weisungsabhängigkeit beim Freelancer?
  • Ist er oder sie in die betrieblichen Ab­läufe eingebunden und daher in seiner/ihrer Tätig­keit von Angestellten nicht zu unter­scheiden?

Viele Unternehmen und Freelancer sehen eine vor-Ort-Präsenz des Frei­beruflers beim Kunden kritisch, weil sie die recht­lichen Risiken der Schein­selbständigkeit fürchten.

Auch wenn sich viele Dinge in der Arbeits­welt in den letzten 60 Jahren drastisch geändert haben – die Präsenz beim Kunden ist auch in der modernen Arbeits­welt unabdingbar: Besonders in agil gesteuerten Pro­jekten ist es unerlässlich sich mit dem Team ab­zustimmen und persönlich zu inter­agieren. Nur so können Pro­jekte schnell und effizient be­wältigt und auf Veränderungen oder Unvorher­gesehenes schnell reagiert werden.

Die Lösung: Klare Positionierung und punktuelle Einsätze

Auch wenn absolute Rechts­sicherheit nicht möglich ist – sowohl Freelancer als auch Einsatz­unternehmen können das Risiko von Schein­selbständigkeit mindern.

Die Lösung lautet für Freiberufler, sich ganz klar als Experten zu positio­nieren. Genauso wenig, wie ein Elektriker noch zusätzlich Maurer- und Sanitär­arbeiten durchführt, sollten sich Freiberufler nicht als Generalist positio­nieren, denn eine solche Aus­richtung macht angreifbar für eine potenziell fest­gestellte Schein­selbständigkeit.

Für Unternehmen wiederum ist das Engagement von hoch­qualifizierten Spezialisten eine hohe Ab­sicherung gegen die Gefahr der Schein­selbständigkeit, da sich ihr Einsatz von den Tätig­keiten der Fest­angestellten deutlich unter­scheiden dürfte. Freiberufliche Experten können punktuell ein­gesetzt werden, um in speziellen Pro­jekten ihr Wissen ein­zubringen, eine Einbindung in Routine­abläufe in Unter­nehmen kommt einer Ver­schwendung wertvollen Know-hows gleich. Zusätzlich können Unter­nehmen Kosten sparen, wenn Freiberufler nur punktuell ein­gesetzt werden, da Spe­zialisten in der Regel teurer sind als regulär an­gestellte Mitarbeiter.

Klassische Vermittlungsprozesse sind nicht mehr zeitgemäß

Volkswirtschaftlich gesehen ist ein punktueller Ein­satz freiberuflicher Experten bei möglichst vielen Kunden der Schlüssel zu erfolg­reichen Digitalisierungs­prozessen in Deutschland. Das Know-how von freiberuflichen Spezialisten kann dann geteilt und effektiv genutzt werden, ganz im Sinne einer sharing economy.  Die Ver­mittlung punktueller Einsätze liegt aber nicht im Interesse von Ver­mittlern und Personal­dienstleistern. Ihre Prozesse können Spe­zialisten nicht schnell und agil genug zur Ver­fügung stellen. Darüber hinaus lohnen sich punktuelle Einsätze von Free­lancern für Vermittler nicht, da ihre Pro­vision dann geringer ausfällt. Bisherige Vermittlungs­mechanismen fördern also punktuelle Einsätze nicht und ver­hindern so den gezielten Einsatz von Spe­zialisten in wichtigen Projekten.

Genau dort setzt freelance pages an. Die Platt­form bietet Unter­nehmen eine effiziente und agile Lö­sung, Spe­zialisten gezielt einsetzen zu können. Für beide Seiten wird damit das Risiko einer fest­gestellten Schein­selbständigkeit gemindert.